Der Film “Shakespeare in Love” aus dem Jahre 1998 ist laut Regisseur Philipp Stölzl eine der Inspirationsquellen für seinen Film “Goethe!” gewesen. Einen, wenn nicht sogar den, berühmtesten deutschen Dichter für den Mainstream in einem Film darzustellen, der ein Blockbuster aus Hollywood hätte sein können, ist gewagt. Dennoch ist Stölzl ein mitreißendes Werk gelungen
Sind Dichtung und Wahrheit in Deutschland zu trennen?
Während “Shakespeare in Love” als Meisterwerk gefeiert wurde, ist “Goethe!” erstmal mit negativer Kritik konfrontiert worden. Beide Filme nehmen es mit der historischen Wahrheit nicht allzu genau, stattdessen feiern sie ihre Hauptfiguren und deren Werke zeitnah mit viel Leidenschaft und Begeisterung. Dem älteren Goethe-Liebhaber mag die Szene nicht unbedingt gefallen, der jüngere Filmbesucher schmunzelt wahrscheinlich, wenn der Filmheld Goethe mit geschickten Schritten die Worte “Lecket mich” für die Professoren, die ihn kurz zuvor durch das Staatsexamen in Jura fallen ließen, in den Schnee schreibt. Philipp Stölzl präsentiert uns den Dichterfürsten hier als jugendlich und frech. Dabei erzählt er eine an den Mainstream der heutigen Unterhaltungsfilme angepasste Liebesgeschichte über Goethes Geschichte vor dem Durchbruch und die damit verbundene Entstehung des Meisterwerkes “Die Leiden des jungen Werther”. Freilich werden Geschehnisse erfunden, wie das Duell zwischen dem Filmhelden und seinem Vorgesetzten Kestner, die beide in die gleiche Frau verliebt sind. Aber solche Freiheiten bei der filmischen Umsetzung der Biographie des Ausnahmekünstlers sind nicht als Fehler zu werten. Schließlich handelt es sich nicht um einen historischen Lehrfilm, sondern um ein Unterhaltungswerk, dass nicht vorgibt, eine Dokumentation zu sein.
Eine besondere Klasse
Der Film ist für das deutsche Kino mit besonders viel Liebe zum Detail gedreht worden. Auf die Sprache und die Kostüme der Zeit wird nicht zu Gunsten von Modernität verzichtet, wie es in vielen Theaterstücken praktiziert wird. Man versteht die Geschichte schließlich auch ohne Hilfsmittel, wie sie teilweise schwer zu schlucken auf manchen Bühnen eingebaut werden. Man denke nur an Maria Stuart mit einem Transistorradio im Glaskäfig einer Art britischer Gestapo. Dennoch sprudelt “Goethe!” vor Energie und Frische. Sein Stil verleiht ihm eine besondere Klasse. Es bleibt abzuwarten, wie sehr der Film für die Vorlage zu begeistern weiß. Shakespeare ist immer wieder mal hoch im Kurs und auch sein Kinoerfolg 1998 begünstigte das Interesse der breiten Masse für den berühmten Autor. Hoffen wir für Goethe einen vergleichbaren Erfolg. “Goethe!” könnte dies immerhin bewirken.
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